Was macht die „Zuerst!“ in Göttingen?

Was macht die „Zuerst!“ in Göttingen?

Verschiedene Personen und Organisationen befassen sich seit geraumer Zeit kritisch mit der extrem-rechten Zeitschrift „Zuerst“. Dabei richtet sich die Kritik an das Presse-Grosso „Tonollo“ und an die Kioske, welche in einem offenen Brief dazu aufgefordert wurden, den Vertrieb der Zeitschrift einzustellen.

Wir von der Gewerkschaftsjugend wollten uns an einem der letzten Augusttage selbst ein Bild davon machen, wie es heute um die „Zuerst!“ in Göttingen bestellt ist und mit den Mitarbeiter*innen über die Zeitschrift sprechen. Dafür haben wir uns mit Infomaterialien eingedeckt und sind in kleineren Grüppchen durch die Stadt gezogen.

Neben der wenig überraschenden Erkenntnis, dass in vielen Zeitschriftenregalen gesellschaftspolitische Themen wohl nicht gerade zu den Verkaufsrennern gehören und es neben altbekannten Blättchen nur wenige Alternativen gibt, durften wir feststellen, dass die „Zuerst!“ tatsächlich schwer(er) zu bekommen ist.

Variante a) Rechter Mist und Esoterik

Bei den direkten Tonollo-Presseablegern scheint es eine Strategie zu sein, die „Zuerst!“ anderen Themensparten zuzuordnen, so dass die Zeitschrift für die Laufkundschaft nicht unmittelbar zu erkennen ist. In dem Laden im Bahnhof liegt das Blatt beispielsweise zwischen den Astrologie- und Esoterikmagazinen versteckt. Auch bei einem Großdiscounter lässt sie sich fernab von den etablierten Politmagazinen finden. Im Zeitungskiosk am Bahnhof konnte die Zuerst von uns nicht gefunden werden, da sie sich an dem Abend – aus welchen Gründen auch immer – nicht in der Auslage befand. Normalerweise liegt sie jedoch so prominent wie es nur geht im Eingangsbereich, direkt neben der „Jüdischen Allgemeinen“

Variante b) Alters- und Gesichtskontrollen

Die „Zuerst!“ wird in manchen Läden unter der Theke verkauft und nur auf Nachfrage herausgegeben. Ein Verleger teilte uns mit, dass die Zeitschrift nur an „ältere Menschen“ verkauft würde und „nicht an Jugendliche oder so“. Der potenzielle Käufer würde genauer in Betracht genommen und im Anschluss entschieden werden, ob das Heft verkauft wird oder nicht. Ob ein solcher Bewertungsmaßstab an der Kasse irgendwelche praktischen Folgen nach sich zieht und zur Verbesserung der Situation beiträgt, ließ uns jedoch stark zweifeln…

Variante c) Zurück an den Absender

Bei den meisten Besuchen konnten wir erfreut feststellen, dass die „Zuerst!“ nicht zu bekommen war und/oder aus dem Sortiment genommen worden ist. Bei zwei größeren Supermärkten/Discountern wurde uns von den Mitarbeiter*innen mitgeteilt, dass die eingehenden Neuveröffentlichungen grundsätzlich „geprüft“ werden würden und dass Zeitschriften wie die „Zuerst!“ tendenziell aussortiert werden.

Bei unserer „Schnitzeljagd“ gab es lediglich den erwähnten Großdiscounter und eine Tonollo-Filiale, bei denen die Zeitschrift ohne Barrieren erhältlich gewesen ist. Allerdings wurde uns bei ersterem)mitgeteilt, dass die Zeitschrift als absoluter Ladenhüter wohl aus der Auslage verbannt werden wird. Wir haben es allerdings auch nicht in alle Geschäfte geschafft, die die Zeitschrift unseren Informationen nach führen.

In unseren Gesprächen zeigten sich die meisten Mitarbeiter*innen dem Thema positiv aufgeschlossen; lediglich in einem Falle meinte ein „heroischer“ Betreiber die „Pressefreiheit Deutschlands“ verteidigen zu müssen. Außerdem war er sich sicher, dass rechtes Gedankengut immer fortbesteht und „eine Zeitung daran nichts ändern würde“. Sehr unerfreulich…

Sehr erfreulich waren hingegen die meisten andere Verkäufer*innen: Diese haben den Sinn der Kampagne erkannt und teils eigenes Engagement gegen die Veröffentlichung der „Zuerst!“ und anderen Heften angekündigt. Diese Reaktionen haben uns positiv überrascht und gezeigt, dass gezielte Informationen und Gespräche mit Beschäftigen in jedem Falle einen Weg darstellen, um Menschen gegen rechtes Gedankengut und Intoleranz zu mobilisieren.

Ganz besonders erfreulich verlief ein Gespräch außerhalb Göttingens. Hier versicherte uns ein Angestellter, dass er die Zuerst! zukünftig ebenso wie die Junge Freiheit direkt in die Kiste der nicht verkauften Zeitschriften befördern wird.

In diesem Sinne: „Zuerst!“ in die Tonne! Keine rechte Propaganda in Göttingen und anderswo!


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